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Selbstmitgefühl

In der heutigen Zeit spielt das Thema Selbstoptimierung eine immer größere Rolle, was an sich auch nicht schlecht ist. Doch der Druck und die Angst, nicht gut/schön/schlau/ schlank/trainiert genug zu sein, wächst mit. Die Welt wird immer schneller, ständig werden wir mit neuen Informationen überflutet, die unser Gehirn verarbeiten muss. Kurzum, es ist alles ganz schön viel.

Und gerade in diesen Zeiten denke ich, dass es immer wichtiger wird zu lernen, uns selbst gegenüber Mitgefühl und Respekt zu zeigen, für das, was wir tagtäglich leisten, für die Person, die wir sind, mit unseren Stärken und Schwächen.

Wie Selbstmitgefühl in mein Leben kam

Für mich persönlich wurde das Thema Selbstmitgefühl das erste Mal wirklich präsent, als ich vor ein paar Jahren schwer krank wurde.
Ich litt lange Zeit unter starken Schmerzen und wurde körperlich immer schwächer. Mein Alltag wurde immer schwerer zu bewältigen, jede Kleinigkeit wurde zu viel, die Arztbesuche laugten mich aus. Ich war verzweifelt und wurde immer wütender auf mich selbst und meinen Körper. Nach langer Zeit Ungewissheit folgten 2 Operationen und viel emotionale und seelische Arbeit, die vor allem, und nach wie vor, aus dem praktizieren von Selbstmitgefühl besteht.
Ich nahm mir immer wieder die Zeit zu reflektieren, wie viel ich bis zu diesem Zeitpunkt geleistet hatte und das bewusst anzuerkennen, um mich von dem Druck zu befreien, nicht genug für meine Gesundheit und mein Leben zu tun und mir selbst dafür zu danken, es bis hierher geschafft zu haben.
Mir wurde immer klarer wie viel Energie es mir raubt mir selbst noch mehr Druck zu machen und so viel von mir selbst zu erwarten. Wofür? Warum habe ich es so eilig? Ich hatte das Gefühl innerlich ständig umher zu rennen, weil ich alles dafür tun wollte „wieder zu funktionieren“.

Den eigenen Rhythmus akzeptieren

Je mehr ich versuchte meinen eigenen Rhythmus im Leben zu akzeptieren und meinen Alltag darauf auszurichten, desto besser ging es mir.
Es fällt mir auch jetzt oft noch nicht leicht, mich zurückzuziehen und auszuruhen, wenn ich spüre, dass es notwendig ist, aber von Zeit zu Zeit wird es einfacher und mein Leben dadurch um einiges lebenswerter, da ich nicht ständig gegen mich selbst ankämpfen muss.

Durch Selbstmitgefühl Selbstakzeptanz schaffen

Es passieren Dinge im Leben, die wir manchmal einfach nicht beeinflussen können, und von uns selbst zu erwarten, in jeder Lebenslage wie Maschinen zu funktionieren finde ich hart und wirklich zu viel verlangt. Wir sind menschliche Wesen aus Fleisch und Blut, mit Gefühlen, Stärken, Schwächen, Erlebnissen, die uns geprägt haben und Emotionen, das ist natürlich und in Ordnung. Wir können nicht in allem perfekt sein, wir können unser bestes geben und das sollte genug sein und von uns selbst respektiert werden.

Friedfertigkeit uns selbst gegenüber

Ahimsa ist ein wichtiger Wert in der Yogaphilosophie und bedeutet übersetzt Gewaltlosigkeit. Ich denke diese muss vor allem als innere Haltung uns selbst gegenüber praktiziert werden, denn wenn wir versuchen friedfertig, respektvoll und achtsam mit uns selbst umzugehen, können wir genau das auch einfacher nach außen tragen.

Übung: Deinem eigenen Rhythmus Raum geben:

Komm in einen angenehmen Sitz auf deiner Yogamatte, oder einem ruhigen Platz, an dem du ungestört sein kannst.
Schließe für einen Moment die Augen und lausche auf deine natürliche Atmung. In welchen Stellen deines Körpers kannst du deine Atmung besonders gut wahrnehmen? Wie tief ist deine Atmung? Wie fühlt sie sich an? Versuche dabei nichts zu bewerten, sondern nur zu beobachten. Bleibe hier solange wie angenehm. Wenn du merkst, dass deine Gedanken abdriften, kehre wieder zurück zu deiner Atmung. Bleibe liebevoll dir selbst gegenüber.

Beginne nun langsam mit deiner Wirbelsäule im Rhythmus deines Atems kreise zu ziehen. Lasse die Augen gern geschlossen, um vollkommen im spüren zu bleiben. Wenn du merkst, dass du die Bewegung schneller werden lassen möchtest oder etwas verändern willst, dann werde nun immer freier.
Du kannst diese Übung auch in einer anderen Haltung machen, zum Beispiel im Vierfüßler Stand oder dem herabschauenden Hund. Lass deine Atmung fließen und bewege deinen Körper, wie es sich für dich heute angenehm anfühlt. Gib deiner Seele und deinem Körper Raum, sich in deinem Rhythmus zu bewegen.

Viel Freude bei deinem Flow!

Marisa